4. März 2020 | IB

Interview mit Gerald Kunde

zum Dienstbeginn als Pastor unserer Gemeinde am 1.4.2020

Lieber Herr Kunde,
Ihnen und Ihrer Frau Nicole ein ganz herzliches Willkommen in unserer Gemeinde!

Wir freuen uns auf die Arbeit und das Gemeindeleben mit Ihnen und wünschen Ihnen Gottes Hilfe und Segen für einen guten Start!
Dieses Interview ist ein erster Schritt, uns mit Ihnen bekannt zu machen.

GK: Zum Einstieg wäre es vielleicht vorweg interessant zu erzählen, was ich/wir bisher gemacht haben:
Nach meinem Theologie Examen sind wir als Familie für 13 Jahre nach Süd-Brasilien gegangen, nach Porto Alegre, in das Land der Gauchos, und haben dort Gemeinde- und Gemeindeaufbauarbeit gemacht. Seit 2013 sind wir zurück in Deutschland, und ich habe im Wendepunkt in Velbert gearbeitet. Das ist eine diakonische Einrichtung, in der wir seelisch erkrankte Menschen seelsorgerlich und therapeutisch begleitet haben.

Was möchten Sie im ersten Monat Ihres Dienstes in unserer Gemeinde unbedingt tun / erleben / kennen lernen?

GK: Dazu fallen mir spontan zwei Dinge ein:
Erst einmal möchte ich die Menschen kennenlernen und eine Beziehung aufbauen. Das wird natürlich nicht gleich mit allen gehen, aber den Anfang dazu möchte ich machen! Gemeindearbeit ist immer auch Beziehungsarbeit und dass wir als Christen miteinander im Glauben unterwegs sind und Jesus Christus nachfolgen, voneinander lernen und einander ermutigen.
Und als Zweites Musik: Wie ich gehört habe, wird in der Gemeinde viel musiziert. Das finde ich sehr schön, weil ich Musik leidenschaftlich liebe, besonders Gospel, Blues und Jazz 😊

Was sind für Sie die Zutaten für einen „gelungenen“ Gottesdienst?

GK:

  • Es klang gerade schon an: schöne Musik hören und gemeinsam singen hat etwas sehr Wohltuendes und Frohmachendes. Nach einem Gottesdienst klingen die Lieder noch
    oft in mir nach.
  • Dass sich mehrere am Gottesdienst beteiligen und wir als Gemeinde mit unseren Gaben und Ideen dabei vorkommen. Ob jugendliche oder ältere Menschen, jede und jeder hat etwas Wertvolles beizutragen!
  • Mir liegt es am Herzen, dass das Leben, wie wir es kennen, auch im Gottesdienst vorkommt und dass wir erzählen, was uns bewegt. Es kann persönlich sein, was wir mit Gott erlebt haben oder eine Not, die wir miteinander und vor Gott teilen und wofür wir beten. Vielleicht auch gesellschaftspolitische Dinge.
  • Das Wort Gottes als Ermutigung und Stärkung für unseren Glauben in Lesung und Predigt. Dabei finde ich auch kreative Elemente wie ein Theaterstück, Interview, Film-Clip, Bibliolog hilfreich.
  • Gute Formen, die uns helfen, vor Gott zu sein: Liturgie, Momente der Stille

Welche Möglichkeiten und Herausforderungen sehen Sie im Standort unseres Gemeindehauses auf dem Hofterberg für das Leben und Arbeiten in der Gemeinde?

GK: Die Gemeinde hat eine super Location in der Stadt! Das hat mich gleich begeistert: Das Gemeindehaus ist ja mitten drin! Genau da, wo viele Menschen sind und das Leben pulsiert. Ich sehe Möglichkeiten in die Öffentlichkeit zu wirken, missionarische Akzente zu setzen, Bezugspunkt für suchende Menschen zu sein, Angebote für Seelsorge zu schaffen, usw. Eine so zentrale Kirche kann man gar nicht übersehen!

Sie haben sich für einen Gemeindedienst im Bund der FeG entschieden. Wie schätzen Sie den Bund ein?

GK: Als Stärke sehe ich, dass Jesus Christus der Mittelpunkt ist und es darum geht, im Glauben mit ihm verbunden zu sein, ihm gemeinsam als Jüngerinnen und Jünger nachzufolgen. Ich schätze die ausgewogene Theologie in unserem Bund. Wir haben einen guten klaren Kurs und sind gleichzeitig offen, uns aktuellen Fragen zu stellen und nach neuen Antworten und Wegen zu suchen. Mir gefällt das Anliegen, das Evangelium zeitgemäß zu leben und missionarisch und diakonisch in die Gesellschaft hineinzuwirken. Als Ortsgemeinden sind die FeGs sehr unterschiedlich aufgestellt, sie haben eine große Freiheit, ihren eigenen Weg zu finden, um gesellschaftsrelevant vor Ort zu sein. So leben wir Einhalt in der Vielfalt. Als BFeG pflegen wir eine gute Verbindung zu anderen Kirchen und Konfessionen, z.B. innerhalb der Ev. Allianz und der ACK, und suchen damit die Einheit bei aller Vielfalt auch nach außen, ohne unser eigenes Profil aufzugeben.

Was könnte Ihr Beitrag zu einer Kooperation der Essener Innenstadtgemeinden sein? (Dom, Kreuzeskirche, Altkatholische Kirche, FeG …)

GK: Ich möchte die anderen Kirchen gerne kennenlernen und dass wir miteinander überlegen, wie wir der Stadt und ihren Menschen dienen können. Ich sehe uns weniger als Konkurrenz, sondern
vielmehr als Ergänzung. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Kirchen eine wirklich gute Botschaft haben, nämlich die von der liebevollen Zuwendung Gottes. Hierbei miteinander die Verbindung suchen und zu kooperieren macht es noch schöner und glaubwürdiger.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, eine ganz andere Gemeindearbeit kennen zu lernen – welche wäre das?

GK: Gemeinden mit einem anderen kulturellen Hintergrund finde ich immer interessant. Das liegt vielleicht daran, dass meine Frau und ich 13 Jahre in Brasilien gelebt und Gemeinde dort ganz anders erlebt haben. Damit fühlen wir uns sehr beschenkt. Spannend finde ich auch neue Start-Up-Gemeinden, die oft neue Wege gehen, um Menschen mit dem Evangelium zu erreichen.

Gemeindearbeit ist anstrengend. Wie können Sie gut auftanken?

GK: Musik, Sport, mit meiner Frau kochen, spazieren gehen und Zeit zum Austausch haben. Zeit zur Stille vor Gott.

Gibt es Lieblings-Reiseziele?

GK: Immer wieder gerne nach Lateinamerika 😊 Ich würde auch gerne mal in die USA reisen, da wo der Blues und Jazz zuhause sind.

Lecker essen ist wichtig. Gibt es Leibgerichte?

GK: Matetee und Churrasco 😊

Ganz herzlichen Dank, dass wir in diesem Interview schon so viel von Ihnen erfahren können!

Das Interview führte Ilse Brall.