Ostern - Texte und Gedanken

Die Ostergeschichte1)

Am frühen Ostersonntag machten sich drei Frauen auf zur Grabeshöhle Jesu, um ihn mit duftenden Ölen einzubalsamieren, so wie es damals üblich war. Als sie das Grab erreichten erschraken sie sehr: Der schwere Stein, mit dem das Grab verschlossen war, war zur Seite gerollt. Jesus lag nicht mehr in dem Grab. Dort saß nur eine männliche Gestalt im weißen Gewand. Sie sagte den Frauen: „Habt keine Angst! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist nicht mehr hier. Er ist auferstanden. Seht her, an dieser Stelle hat er gelegen. Und nun geht zu den Jüngern und sagt ihnen, dass Jesus nach Galiläa vorausgehen wird. Dort werdet ihr ihn sehen.“ Die Frauen flüchteten vor lauter Angst und erzählten niemandem davon.(Mk 16,1-8)

Jesus war tatsächlich wieder lebendig. Er begegnete Maria Magdalena, die aufgeregt zu den Jüngern lief und rief „Jesus lebt wieder!“ Aber die Jünger glaubten ihr nicht.(Lk 24,9.10)

Traurig über den Tod Jesu machten sich zwei von den Jüngern an Ostermontag auf den Weg in das Dorf Emmaus. Während sie sich unterhielten, kam Jesus hinzu, ging mit ihnen und erklärte ihnen, was geschehen war. Zunächst erkannten sie ihn nicht und hielten ihn für einen Fremden. Erst beim gemeinsamen Essen, als Jesus das Brot nach seiner Art teilte, erkannten sie, dass der Fremde Jesus ist. Aufgeregt eilten sie nach Jerusalem zurück, um allen zu erzählen, dass Jesus wieder lebte.(Lk 24, 13-35)

Noch während sie das den andren Jüngern ihr Erlebnis erzählten, stand Jesus mitten unter ihnen im Kreis und grüßte sie „Friede sei mit euch!“(Joh. 20, 19-22)

Thomas, einer der zwölf Jünger, war nicht dabei gewesen. Zweifelnd sagte er: „Das glaube ich erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe.“ Acht Tage später stand Jesus wieder unter ihnen und wandte sich Thomas zu: „Lege deine Finger in meine durchbohrten Hande! Zweifle nicht länger, sondern glaube!“ Thomas antwortete nur: „Mein Herr und mein Gott!“(Joh 20, 24-29)


Das Bild zeigt ein Kreuz, welches im Ostergottesdienst 2019 in unserer Gemeinde mit Blumen geschmückt wurde.

War es ein Betrug der Jünger? Eine rein subjektive Vision?2)

Theologinnen und Theologen fragen nach der historischen Glaubwürdigkeit der Begegnung mit dem Auferstandenen. Aber viele Erklärungsversuche greifen zu kurz. Andere gehen von einem Betrug der Jünger aus. Nach Jesu Scheitern hätten die Jünger untereinander verabredet, Jesus als lebendig auszugeben. Sie hätten heimlich seinen Leichnam aus dem Grab entfernt, um ihre Botschaft glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Sie hätten Berichte vom leeren Grab und von Treffen mit dem Auferstandenen verabredet. Allerdings taten sie es so schlecht, dass sie widersprüchliche Versionen in die Welt setzten. Von rein subjektiven Visionen ist bei anderen die Rede.

Was ist nun dran an der Erfahrung der Zeugen? Dass sie sich die Begegnung mit dem Auferstandenen ausgedacht haben, dagegen spricht schon die Tatsache, dass sie mit ihrem Leben für den Glauben an den Auferstandenen einstanden. Die ersten Zeugen, vermutlich alle zwölf Apostel, sind für 
ihren Glauben an den Auferstandenen den Märtyrertod gestorben. So etwas tut man nicht für eine Fiktion.

Glaubwürdige Zeugen und eine einmalige Erfahrung

So viele Zeugen, und doch ist die Auferstehung nicht ganz zu fassen. Dass sie grundsätzlich nicht beweisbar sei, betonte schon der evangelische Theologe Karl Barth: Da die Auferstehung allein von Gott bewirkt ist – als Theologe spricht Barth von einem Offenbarungsgeschehen –, sei sie für Menschen nicht zu erklären. Historiker, so sagt er, seien überfordert damit, die Auferstehung zu überprüfen. Sie könnten sich nur mit den Zeugnissen auseinandersetzen.
Der 2014 verstorbene Münchener Theologieprofessor Wolfhart Pannenberg meinte: Die Zeugen hätten Jesus an und nach Ostern wohl in völlig andersartiger Gestalt wiedererkannt.
Ingolf Dalferth argumentiert: Das Bekenntnis zur Auferstehung Jesu wolle keinen historischen Sachverhalt feststellen. Es sei für die ersten Christinnen und Christen darum gegangen, zwei Erfahrungen miteinander zu verbinden: die Erfahrung des Todes und die Erfahrung des Lebendigseins Jesu. Sie hätten nicht anders gekonnt, als zu folgern, dass Jesus auferstanden war.

Wer die Auferstehung überprüfen will, gerät in einen unauflösbaren Widerspruch. Die Berichte der Zeugen, wie Paulus sie zitiert, sind historisch glaubwürdig. Aber ihre Erfahrungen sind einmalig, unwiederholbar und von Unbeteiligten nicht einsehbar.

Bekenntnis der Auferstehung

Das Bekenntnis der Auferstehung ist der Dreh- und Angelpunkt des Glaubens. An ihm hängt alles. Paulus formuliert am Anfang desselben ­Kapitels aus dem Korintherbrief: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist euer Glaube vergeblich.“ An den Zeugen kann man unschwer erkennen, dass sie eine einschneidende Erfahrung gemacht haben. Sie waren von Grund auf verändert. Sie waren nach dem entmutigenden Ereignis der Kreuzigung Jesu auf einmal bereit, für den Gekreuzigten selbst das Martyrium auf sich zu nehmen.

Liebe ist stärker als der Tod3)

Ostern, das ist das Fest purer Freude. einer Freude, die deswegen so rein ist, weil sie die Tiefen kennt und sie doch bezwungen weiß.

Die erste Liebe oder die Geburt eines Kindes, Rettung aus höchster Gefahr – es gibt Ereignisse, die erfüllen uns mit unaussprechlicher, tiefer Freude. Singen möchte man und jubeln oder man bekommt kein Wort heraus vor lauter Glück. Ostern ist das Urdatum der Kirche. Die drei Frauen am Grab, die Jünger, denen der Auferstandene erscheint, und Maria Magdalena, sie können nach dem ersten Schrecken nicht schweigen: Jesus lebt! Die Liebe hat den Tod bezwungen. Er hat die letzte Macht über uns verloren.

Jesu Auferstehung hat alles verändert. Wer gegen allen Augenschein in diesem Vertrauen lebt, der kann freier handeln, der wird aufstehen gegen alles, was das Leben bedroht. „Tod, wo ist dein Stachel?“, fragt der Apostel Paulus.

Jesus lebt! Die Liebe hat den Tod bezwungen.

Er ist wahrhaftig auferstanden, der für uns litt und für uns starb,
der uns erlöst aus Todesbanden und ewges Leben uns erwarb,
der uns einst lebendig macht zu seiner Herrlichkeit und Pracht

Er ist wahrhaftig auferstanden! O Seele, was verzagst du noch?
Für dich ist alles nun vorhanden, was dich beglückt; so glaub es doch!
Komm nimm aus seiner Fülle heut den Reichtum, den sein Leben beut.

Er ist wahrhaftig auferstanden! Mein Herz erfährts, indem er lebt.
Was alle Gläubigen empfanden, die Freude, die auch mich durchbebt,
gibt Zeugnis mir durch seinen Geist, dass mich sein Leben tränkt und speist.

Hermann Heinrich Grafe 1859

„Der HERR tötet und macht lebendig, führt ins Totenreich und wieder herauf.“

1. Samuel 2,6

„Denn du wirst meine Seele nicht dem Tode lassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe.“

Psalm 16, 10

„Aber deine Toten werden leben, meine Leichname werden auferstehen.“

Jesaja 26, 19

Jesus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.“

Johannes 11, 25

Christus spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

Offenbarung 1, 18

„Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“

Kolosser 2,12

„Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. 2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.“

Kolosser 3,1

Das Wunder der Auferstehung Christi hebt die Vergötzung des Todes, wie sie unter uns herrscht, aus den Angeln. Wo der Tod das Letzte ist, dort verbindet sich die Furcht vor ihm mit dem Trotz. Wo der Tod das Letzte ist, dort ist das irdische Leben alles oder nichts. … Die Radikalität des Ja und des Nein zum irdischen Leben offenbart, das nur der Tod etwas gilt. Alles erraffen oder Alles wegwerfen, das ist die Haltung dessen, der fanatisch an den Tod glaubt.

Wo aber erkannt wird, daß die Macht des Todes gebrochen ist, wo das Wunder der Auferstehung und des neuen Lebens mitten in die Todeswelt hineinleuchtet, dort verlangt man vom Leben keine Ewigkeiten, dort nimmt man vom Leben, was es gibt, nicht Alles oder Nichts, sondern Gutes und Böses, Wichtiges und Unwichtiges, Freude und Schmerz, dort hält man das Leben nicht krampfhaft fest, aber man wirft es auch nicht leichtsinnig fort, dort begnügt man sich mit der bemessenen Zeit und spricht nicht irdischen Dingen Ewigkeit zu, dort läßt man dem Tod das begrenzte Recht, was er noch hat.

Den neuen Menschen und die neue Welt aber erwartet man allein von jenseits des Todes her, von der Macht, die den Tod überwunden hat. Der auferstandene Christus trägt die neue Menschheit in sich, das letzte herrliche Ja Gottes zum neuen Menschen.

Dietrich Bonhoeffer
Ethik, DBW Band 6, Seite 78f

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

1.Petrus 1,3


1) Zusammenfassung der Berichte aus: Mathäus 28; Markus 16; Lukas 24; Johannes 20+21
2) Text aus: „Chrismon“ – https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2019/43758/jesus-von-den-toten-auferweckt-wie-sah-das-aus
3) Text aus: „Kirchenjahr evangelisch“ – https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#866
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Die Texte wurden zusammengestellt von Manfred Cron